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ber die aktuellen Auswirkungen und Implikationen der Digitalisierung auf die Wirtschaftsprüfung, die Zukunft im Zeitalter der künstlichen Intelligenz und den wahren Disruptor – die Blockchain.

Nimmt man es genau, ist die Digitalisierung im Bereich Abschlussprüfung kein neues Phänomen. Denn Daten sind seit jeher die Grundlage für die Abschlussprüfung. Die Digitalisierung ist nichts anderes als eine Technologie, also ein Tool, mit dem diese Daten analysiert und bewertet werden. Lange Zeit sprach man von Computer Assisted Auditing Techniques (CAAT), was bedeutete, dass Prüfungsvorgänge elektronisch durchgeführt wurden. Wenn heute von Big Data, Data Analytics und AI gesprochen wird, handelt es sich insofern nur um einen ähnlichen Übergang wie der von CD-Player zum iPod.

Aus Erfahrungen wie diesen wissen wir aber, dass solche Übergänge große Auswirkungen haben können. Darum stellen sich folgende Fragen: Welche der neuen Tools erleichtern das Leben des Wirtschaftsprüfers? Welche verbessern die Qualität der Abschlussprüfung und welche verändern die Wirtschaftsprüfung als Ganzes? Die Zukunft hält hier zwei spannende Antworten bereit. Erstens: Wir erleben einen möglichen Paradigmenwechsel innerhalb der Wirtschaftsprüfung. Zweitens: Die Neuerfindung der Wirtschaftsprüfung, weil ihr Kernbereich durch Technologien wie AI oder Blockchain grundlegend verändert wird.

“Die #Wirtschaftsprüfung befindet sich mitten in der #Transformation. Aber erleben wir einen Paradigmenwechsel oder die Anfänge vom Ende der #Abschlussprüfung?“

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Aktuelle Entwicklungsfelder im Bereich der Abschlussprüfung

Die Digitalisierung der Abschlussprüfung findet aktuell und in den kommenden Jahren durch Entwicklungen in unterschiedlichen Feldern statt. Dabei lassen sich sechs Technologien und Trends identifizieren, die hier besonders relevant sind oder noch sein werden.

  • Big Data: Große, komplexe, schnelllebige und schwach strukturierte Daten.
  • Data Analytics: Analyse und Verwertung von Big Data mit komplexen Verfahren.
  • Process Mining: Analyse von Prozessen mittels Visualisierung von Datenflüssen.
  • Robotik und Prozessautomatisierung: Software, die Routineaufgaben übernehmen kann.
  • Künstliche Intelligenz: Software, die selbstständig lernt und Entscheidungen trifft.
  • Blockchain: Dezentrale Datenbank zur Buchführung mit kryptographischen Verfahren.

Aktuell sind bei uns vor allem Data Analytics, Process Mining und Robotics im Einsatz oder werden gerade signifikant ausgebaut. Beim Thema Künstliche Intelligenz sind wir in der Beta-Phase, stehen aber kurz vor dem Durchbruch bzw. wir können schon erste Erfolge vorweisen. Bevor neue Technologien in der Praxis eingesetzt werden können, müssen diese Tools jedoch ausgiebig getestet und validiert werden. Erst wenn ein Tool das Prädikat „prüfungstauglich“ erhält, wird es tatsächlich zur Generierung von Prüfungsnachweisen genutzt. Unter allen Entwicklungsbereichen ist, wie ich gleich noch erläutern werde, im Moment aber dennoch der Bereich „Künstliche Intelligenz“ am vielversprechendsten.

Die Vorteile, die neue Technologien bringen müssen

Technologie darf nicht um ihrer selbst willen eingesetzt werden. Nehmen wir als Beispiel ein Tool, das wir im Bereich „Leasing“ einsetzen, um eine Vielzahl von Lizenzverträgen zu prüfen. Würden wir diese manuell prüfen, würde das heute etwa zehn Wochen dauern. Wenn dieses Tool „approved“ wäre, könnten wir denselben Vorgang in weniger als einer Woche abschließen. Die Zeitersparnis allein reicht als Argument aber nicht aus. Damit einhergehen muss immer auch eine qualitative Steigerung der Prüfergebnisse. Genau das leistet dieses Tool. Neben der signifikanten Reduktion der Bearbeitungszeit, zeichnen sich die Resultate des Tools durch eine – im Vergleich zur menschlichen Prüfung –niedrigeren Fehlertoleranz aus.

Die Herausforderung besteht nun darin, dieses eine Tool so zu konzipieren, dass es verlässliche Prüfungsnachwiese liefert und als Prüfungstool zertifiziert werden kann. Dies unter der Voraussetzung, dass sowohl eine deutsche als auch eine internationale Aufsichtsbehörde die Ergebnisse als Prüfungsnachweis anerkennt. Wenn dies gegeben ist, werden wir in diesen Bereich weiterhin signifikant investieren. Die Frage nach der steigenden Effektivität einer Abschlussprüfung ist immer das Resultat der die Gleichung: Effizienz + Qualität = Effektivität.

“Ein effektives Tool, das im Rahmen der #Abschlussprüfung eingesetzt wird, muss nicht einfach nur schneller sein. Es muss auch qualitativ bessere Resultate liefern!“

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Die neue Rolle des Abschlussprüfers

Die Digitalisierung macht aber nicht einfach nur die Prozesse effizienter. Vielmehr findet aktuell ein Paradigmenwechsel bezüglich der Rolle des Abschlussprüfers statt. Der Berufsstand muss sich durch die Digitalisierung ein Stück weit neu erfinden. Ganz besonders deutlich wird dies, wenn man die Wirtschaftsprüfung aus der Sicht der Unternehmen betrachtet. Bislang kamen Wirtschaftsprüfer mit einem in die Vergangenheit gerichteten Blick ins Unternehmen.

Das ändert sich mit der Digitalisierung. Die Analyse von Daten erlaubt nicht mehr nur einen prüfenden Blick in die Vergangenheit, sondern liefert auch für die Zukunft relevante Erkenntnisse. Die Muster, Zusammenhänge und Kausalitäten, die in den Daten stecken, erlauben zusätzlich auch den Blick in die Zukunft. Daraus entstehen sowohl für den Wirtschaftsprüfer als auch für den Mandanten völlig neue Möglichkeiten. Denn kaum jemand verfügt über diese weitreichenden Möglichkeiten sich mit dem Unternehmen, der Strategie, der Branche und den damit verbundenen Zukunftsperspektiven derart intensiv auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang haben sich in jüngster Zeit vor allem Technologien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz wie beispielsweise Machine Learning profiliert.

Künstliche Intelligenz – „The most thrilling technology of our time“

Künstliche Intelligenz ist für mich schlicht: „The most thrilling technology of our time“. Das spannende an dieser Technologie sehe ich darin, dass es sich um ein evolutionäres System handelt. Ähnlich wie beim Vorgang des menschlichen Lernens, werden die intelligenten Algorithmen durch das Sammeln von Erfahrungen besser und entwickeln sich weiter. Kommen wir noch einmal zu dem Tool zur Analyse von Leasingverträgen zurück. Füttere ich dieses mit zehn Leasingverträgen, so ist es trotz künstlicher Intelligenz immer noch relativ dumm. Gebe ich dem Tool jedoch eine Million Leasingverträge, dann wird es durch den großen Vergleichswert, auf den es jetzt zurückgreifen kann, schon sehr viel klüger. Es erkennt Muster, Zusammenhänge und Unregelmäßigkeiten, wodurch es zur Risikobeurteilung und auch beispielsweise zur Erkennung von Fraud ideal ist.

Die Blockchain: Der wahre Disruptor

Mit Technologien und Tools wie Big Data, Process Mining und Text Mining bewegen wir uns, wie bereits weiter oben gesagt, in der Gegenwart. Hier wurde bereits ein ausgeprägter Reifegrad erreicht. Gehen wir einen Schritt weiter in die Zukunft, dann stoßen wir auf Artificial Intelligence. Davon werden Mandaten und Wirtschaftsprüfer in den kommenden Jahren gleichermaßen profitieren. Die spannende Frage ist, was passiert, wenn wir noch einen Schritt weiter in die Zukunft gehen. Denn am Horizont ist längst die Blockchain aufgetaucht, die das Potential hat, alles auf den Kopf zu stellen.

Die Blockchain ist ein System, das die Funktion von Wirtschaftsprüfern als Intermediär quasi überflüssig macht. Vereinfacht gesprochen wird Vertrauen zwischen zwei Geschäftspartnern, die nichts voneinander wissen, durch die Blockchain suspendiert. Alle Informationen, die nötig sind, um ein Geschäft abzuwickeln, werden fälschungssicher in der Blockchain gespeichert. Die Vertrauenswürdigkeit ist damit quasi ins System eingebaut. Für die Transaktionsparteien herrscht maximale Transparenz und damit automatisch maximales Vertrauen. Heute ist es in vielen Fällen so, dass sich der Wirtschaftsprüfer als Vertrauensgeber der Stakeholder definiert. Wenn wir von wirklicher Disruption reden, ist Blockchain für mich die Top-Technologie, von der die substanzielle Bedrohung für das Grundverständnis dieses Berufs ausgeht.

Ist das Ende der Wirtschaftsprüfung in Sicht

Die berechtigte Frage lautet also, ob und welche Zukunft die Wirtschaftsprüfung angesichts dieser Entwicklungen noch hat. Dazu muss zunächst angemerkt werden, dass wir uns aktuell in einer Phase befinden, in der es große Entwicklungsunterschiede gibt. Zum einen zeichnen sich bereits revolutionäre Entwicklungen wie AI oder Blockchain ab. Zum anderen aber befinden sich viele Unternehmen erst noch in einer frühen Phase der Digitalisierung. Damit einhergehen sowohl ein kultureller Wandel, ein generationeller Wandel und massive Investitionen, die nötig sind. Datenverfügbarkeit, Datenschutz, Datenqualität und Cyber Security stellen alle Unternehmen in den kommenden Jahrzehnten vor immense Herausforderungen.

Nicht zuletzt zeigt auch ein Blick zurück, wie schwer die Zukunft vorherzusagen ist. Technologien, um die es noch vor wenigen Jahren einen Hype gab, spielen heute keine Rolle mehr. Darum sollten Fragen danach, welche wertvollen Informationen die Wirtschaftsprüfung für den Mandanten durch die Digitalisierung der Prüfung ergeben, leitend für die Neudefinition und Neuerfindung der Wirtschaftsprüfung sein. Das heißt: Ein Ende der Wirtschaftsprüfung ist nicht in Sicht. Das Herausarbeiten und die Interpretation der durch die neue Technologie gewonnen Erkenntnisse kann heute und in Zukunft nur durch die Kompetenz der Wirtschafsprüfer sinnvoll dargestellt werden.

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