Voraussetzungen, Anwendungsgebiete und Hindernisse beim Einsatz von KI im Bereich Wirtschaftsprüfung

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ünstliche Intelligenz (KI) ist das Wunderkind unter den aktuellen technologischen Neuerungen. In der Tat sind manche der bisherigen Errungenschaften und vor allem die Geschwindigkeit, mit der die Entwicklung voranschreitet, beeindruckend. Der Sieg des Poker-Chatbots Libratus gegen den Poker-Weltmeister und intelligente Algorithmen, die sich selbst kopieren und sogar bessere Versionen von sich selbst hervorbringen können, seien nur beispielhaft für viele weitere Meilensteine innerhalb der KI-Forschung genannt.

Die Diskussion über die wirtschaftliche Bedeutung und die damit verbundene Transformation der Arbeitswelt sind im Vergleich dazu vielschichtiger. Einerseits gilt Künstliche Intelligenz als Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft und insbesondere im Bereich der industriellen Fertigung als neuer Standard. Andererseits gibt es prominente Stimmen wie die von Tesla-Gründer Elon Musk, die vor den möglichen Auswirkungen warnen. Grund genug, um sich mit dem aktuellen und zukünftigen Potenzial von KI auseinanderzusetzen und insbesondere zu fragen, inwiefern auch die Wirtschaftsprüfung durch Künstliche Intelligenz verändert wird.

“Wird die #KünstlicheIntelligenz die Wirtschaftsprüfungsbranche transformieren? Potential, Hindernisse und Voraussetzungen von #KI bei der #PrüfungDerZukunft.“

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Das breite Anwendungsspektrum der Wirtschaftsprüfung

Zunächst ist es wichtig, die Wirtschaftsprüfungsbereiche zu identifizieren, in denen Künstliche Intelligenz Anwendung finden kann. Ein wichtiger Schwerpunkt für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist die Automatisierung von Abstimmhandlungen. Hier gibt es viele Prozessschritte, die durch KI effizienter gestaltet werden können. Dies sind Tätigkeiten, die der Mensch vermutlich gerne abgibt.

Themengebiete, die weitere kognitive Fähigkeiten erfordern, sind beispielsweise Bilanzierungsentscheidungen anhand der Standards, das Auswerten eines Vertrages und das Verstehen von komplexen Transaktionen. Entsprechende KI-Routinen sind deutlich komplexer und erfordern selbstlernende Systeme. Anders wäre es dagegen, wenn es vorher, wie Einige meinen, zu einer engeren Standardisierung der Rechnungslegung, insbesondere zu einer Eliminierung von Ermessensentscheidungen kommen würde. Dies würde die Digitalisierung im Rechnungswesen beschleunigen und sich in der Folge auf die Prüfung auswirken. Vermutlich ist dies aber genauso wahrscheinlich, wie die lange beschworene Vereinfachung der Steuergesetze.

Was ist Künstliche Intelligenz und was kann sie leisten?

Um die Auswirkungen und Einsatzbereiche von KI im Bereich Wirtschaftsprüfung beurteilen zu können, ist es zunächst notwendig, Missverständnissen vorzubeugen. Sowohl in begrifflicher wie konzeptioneller Hinsicht. Es lässt sich feststellen, dass der Begriff „Künstliche Intelligenz“ selbst ein Sammelbegriff ist, unter dem sich viele Vorstellungen versammeln. Die Erfolge, die wir heute bereits sehen, sind das Resultat von einzelnen Methoden wie Machine Learning.

In dieser Form kann Künstliche Intelligenz zum Bestandteil von Software-Lösungen werden. Chatbots oder Robo-Adviser können Künstliche Intelligenz nutzen oder zumindest davon profitieren. Diese lassen sich sowohl bei der internen Kommunikation und zum Wissensmanagement einsetzen – beispielsweise zur Anleitung von Mitgliedern des Prüfungsteams – als auch bei der Kommunikation mit Mandaten – zum Beispiel, wenn Unterlagen durch den Prüfer angefordert werden. Die Fähigkeit, Sprache zu verstehen, verdanken Chatbots und Sprachassistenten beispielsweise Machine-Learning- und Deep-Learning-Algorithmen. Diese Methoden können auch dazu verwendet werden, Muster in großen Mengen von Daten zu finden (Big Data).

Weitere Voraussetzungen für den Einsatz von KI

Bereits heute gibt es hohe Erwartungen bezüglich der Datenqualität – ganz ohne Einsatz von KI. Ganz natürlich erscheint es uns, Daten zusammenzutragen und beispielsweise in ein Spreadsheet zu übertragen. Eine der Erwartungen an praktikable Künstliche Intelligenz ist, dass diese die benötigten Daten im System selbst findet und dabei auch unstrukturierte Daten (z.B. ausgefüllte und unterschriebene Lieferscheine und Frachtpapiere) als Ausgangsbasis verwerten kann. Das bringt nicht nur eine große Zeitersparnis mit sich. In Zukunft wird Künstliche Intelligenz insbesondere dort einen effektiven Mehrwert bringen, wo Menschen an ihre Grenzen stoßen würden, weil Daten in zu großer Menge oder verschiedenen Formaten vorliegen. Riesige Datenbestände, die aus unstrukturierten Daten bestehen (Data Lake) können damit ohne große Vorarbeit als Grundlage für die Prüfung dienen.

Vieles davon ist heute technisch bereits möglich. Damit ist die Technologie heute sowohl der Realität in Unternehmen als auch den gesetzlichen Rahmenbedingungen weit voraus. Bereits heute wären Vollprüfungen bei bestimmten Unternehmen, die zur Prüfung bestimmte Anforderungen erfüllen, möglich. Sollten diese Unternehmen nun stärker geprüft werden als andere? Gesetzlich gibt es nur die „eine“ Abschlussprüfung und nicht etwa eine mit und eine ohne Künstliche Intelligenz. Die Prüfungsstandards, die für den gesamten Berufsstand gleichermaßen gelten, sind (noch) nicht an die neuen Möglichkeiten angepasst.

“Wenn Unternehmen die Wahl hätten, würden sie die Abschlussprüfung von Menschen oder einer #KünstlichenIntelligenz durchführen lassen? #KI #PrüfungDerZukunft“

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Die Zukunft der Prüfung im KI-Zeitalter

Die Frage, die sich abschließend stellt, lautet: Wie wird sich die Wirtschaftsprüfung durch die Künstliche Intelligenz in Zukunft entwickeln? Darüber entscheidet nicht so sehr, was technologisch alles möglich ist. Entscheidender wird sein, ob sich neue Technologien wirtschaftlich einsetzen lassen. Anders formuliert heißt das auch: Künstliche Intelligenz verändert dann flächendeckend die Wirtschaftsprüfungsbranche, wenn sie einzelnen Mitbewerbern einen Wettbewerbsvorteil verschafft.

Nicht zuletzt spielt ein weiterer Faktor eine zentrale Rolle, der bei der Diskussion um das Potenzial von Künstlicher Intelligenz oft fehlt: Die Akzeptanz neuer Technologien durch den Mandanten. Prüfungssituationen sind Stresssituationen. Aus meiner Sicht ist das Vertrauensverhältnis zwischen Wirtschaftsprüfern und ihren Mandanten entscheidend und persönliche Beziehungen lassen sich nicht automatisieren. Darum ist es wichtig, dem Eindruck entgegenzuwirken, Maschinen würden künftig an der Stelle von Menschen die Ergebnisse einer Prüfung vollautomatisiert produzieren. Vielmehr hat der Mensch mehr technologische Möglichkeiten, für den Mandanten mehrwertstiftende Hinweise aufzudecken, die dieser sonst nicht entdeckt hätte. Dafür ist ein umfassendes Verständnis der Abschlussprüfer über neue digitale Technologien und Anwendungen wie Künstliche Intelligenz die Grundvoraussetzungen für die Prüfung der Zukunft.

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